Sichere Bauprojekte dank präziser Modellierung & Gefahrenbeurteilungen

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Foto: David Jud, Ingenias AG

In der Schweiz prägen Naturgefahrenprozesse seit jeher unseren Lebensraum. Massenbewegungen wie Hochwasser, Rutschungen, Sturzprozesse und Lawinen bedrohen an zahlreichen Orten in der Schweiz den Siedlungsraum. Dieser wächst und verdichtet sich stetig. Neue Bauvorhaben entstehen in Gebieten, die zuvor kaum genutzt wurden oder heute stärker exponiert sind als noch vor wenigen Jahrzehnten. Dadurch rücken Naturgefahren bei der Planung und Realisierung von Bauprojekten immer stärker in den Fokus.

Für Bauherrschaften stellt sich daher eine zentrale Frage: Wie lassen sich Gefahren korrekt einschätzen und in konkrete bauliche Entscheidungen überführen, ohne den Projektablauf zu verkomplizieren oder die Kosten unnötig in die Höhe zu treiben? Die Erfahrung zeigt, dass der Schlüssel darin liegt, Risiken frühzeitig und fundiert abzuklären. Moderne Gefahrenbeurteilungen und digitale Modellierungen liefern dafür die Grundlage.

Naturgefahren: eine wachsende Herausforderung für die Baupraxis

In den letzten Jahren haben sich mehrere Entwicklungen verstärkt, die den Umgang mit Naturgefahren im Bauwesen anspruchsvoller machen. Zum einen häufen sich lokal begrenzte Extremereignisse wie Starkregen, die innerhalb weniger Minuten zu erheblichen Schäden führen können. Zum anderen sorgt die zunehmende Versiegelung von Flächen dafür, dass Wasser schneller und unkontrollierter abfliesst. Dadurch können selbst Gebiete betroffen sein, die traditionell nicht als gefährdet galten.


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Bild: Kapo Freiburg (aus https://www.20min.ch/story/unwetter-in-der-schweiz-mit-hagel-gewitter-und-schaeden-499132509298)

Wer heute baut, muss sich daher nicht nur mit klassischen Hochwassergefahren auseinandersetzen, sondern auch mit Risiken wie Oberflächenabfluss, Rutschungen oder Sturzprozessen. Für Bauherrschaften bedeutet das, dass Unsicherheiten möglichst früh im Planungsprozess beseitigt werden sollten – idealerweise bevor Baugesuche eingereicht werden.

Gefahrenbeurteilungen: der erste Schritt zu klaren Entscheidungen

Eine Gefahrenbeurteilung liefert den strukturierten Überblick über alle relevanten Naturgefahrenprozesse an einem Standort. Sie verbindet Geländeanalysen, Dateninterpretationen, historische Informationen und in vielen Fällen auch eine Begehung vor Ort. Dadurch entsteht ein Gesamtbild, das zeigt, welche Gefahren bestehen, wie ausgeprägt sie sind und wie sich ein geplantes Bauvorhaben auf diese Prozesse auswirkt oder von ihnen beeinflusst werden kann.

Für Bauvorhaben ist dieses Grundlagenwissen entscheidend. Es hilft, Projekte realistisch einzuschätzen, Alternativen zu prüfen und die Kommunikation mit Behörden und Bauherrschaften transparent zu gestalten. Gleichzeitig verhindert es teure Änderungen im späteren Planungsprozess. Aus festgestellten Risiken lässt sich ableiten, ob beispielsweise eine Anpassung der Terrainmodellierung notwendig wird oder ob eine erhöhte Anordnung eines Gebäudes erforderlich ist.

Modellierungen: Präzision, wo sie wirklich zählt

Während die Gefahrenbeurteilung den Rahmen setzt, liefern Modellierungen präzise quantifizierbare Aussagen. Besonders im Bereich Oberflächenabfluss hat sich die Technologie stark weiterentwickelt. Moderne Simulationen sind in der Lage, das Verhalten des Wassers bei einem Starkregenereignis realistisch darzustellen: Wie bewegt sich das Wasser über das Gelände? Wo bilden sich kritische Zuflüsse? Welche Gebäudeteile oder Baubereiche sind besonders exponiert? Und wie verändern sich diese Strömungen, wenn ein Neubau entsteht oder das Terrain modelliert wird?

Solche Modellierungen zeigen oft überraschende Ergebnisse. Häufig sind es nur wenige Zentimeter im Geländeverlauf oder kleine bauliche Elemente, die darüber entscheiden, ob Wasser kontrolliert abgeleitet wird oder ungehindert auf ein Gebäude oder in eine Baugrube zufliesst. Die Simulationen ermöglichen es, verschiedene Varianten zu testen und ihre Auswirkungen direkt sichtbar zu machen. Das erhöht nicht nur die Sicherheit, sondern auch die Effizienz, weil Massnahmen zielgerichtet geplant werden können.

Eine vertiefte Beschreibung dieser Modellierungsdienstleistungen ist unter folgendem Link zu finden: https://ingenias.ch/immobilien-vor-oberflaechenabfluss-schuetzen/

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Darstellung: Ingenias AG

Sturz- und Rutschprozesse: Dynamik verstehen, Risiken beherrschen

Neben Wasserprozessen befinden sich zahlreiche Bauvorhaben, vor allem im Alpen- und Voralpengebiet auch in Gebieten, die durch Sturz-, Rutschungs- oder Lawinengefahren betroffen sind. Diese Prozesse sind oft hochdynamisch und ihre Auswirkungen hängen stark von der Geländemorphologie und den geologischen Eigenschaften ab.

Dank moderner Modelle lässt sich heute beispielsweise nachvollziehen, welche Flugbahnen ein fallender Block nehmen kann, wie weit er rollt oder springt und welche Energien dabei auftreten. Solche Berechnungen sind die Grundlage für die Dimensionierung von Schutznetzen oder Dämmen und ermöglichen eine reelle Einschätzung der Gefahren, ohne auf übervorsichtige, pauschale Sicherheitsannahmen zurückgreifen zu müssen.

Auch Rutschungen, die oft im Untergrund entstehen und lange unbemerkt bleiben, lassen sich durch eine Kombination aus Geländeinterpretation, geologischen Daten und Modellierung besser verstehen.

Praktischer Nutzen für Bauherrschaften

Für Bauherrschaften hat die frühzeitige und fundierte Auseinandersetzung mit Naturgefahren drei entscheidende Vorteile. Erstens erhöht sie die Planungssicherheit. Baugesuche kommen schneller durch den Bewilligungsprozess, weil Fragen zu Naturgefahren nachvollziehbar beantwortet sind. Zweitens entstehen wirtschaftliche Vorteile: Schutzmassnahmen werden dort eingeplant, wo sie tatsächlich notwendig sind, und nicht aufgrund vager Vermutungen. Drittens reduzieren sich Haftungsrisiken für alle Beteiligten, da Entscheidungen auf klar dokumentierten Grundlagen basieren.

Hinzu kommt ein weiterer Aspekt, der oft unterschätzt wird: Modellierungen und Gefahrenbeurteilungen schaffen Vertrauen. Bauherrschaften erhalten visuell verständliche und gut nachvollziehbare Entscheidungsgrundlagen, was die Zusammenarbeit und Kommunikation erheblich erleichtert. Behörden wiederum schätzen die klare, technisch stimmige Darstellung von Risiken und Massnahmen. So führt der Einsatz moderner Methoden nicht nur zu besseren Planungen, sondern auch zu einem effizienteren Projektablauf.

Fazit: Wer solide baut, baut auf Wissen

Der Umgang mit Naturgefahren gehört heute zu den zentralen Herausforderungen im Bauwesen. Die Kombination aus fundierten Gefahrenbeurteilungen und präzisen Modellierungen bildet die Grundlage für sichere, hochwertige und wirtschaftlich optimierte Bauprojekte. In einer Zeit, in der Extremereignisse zunehmen und Bauvorhaben immer komplexer werden, gewinnen solche Analysen an Bedeutung – unabhängig davon, ob es sich um ein Einfamilienhaus, eine umfangreiche Überbauung oder ein Infrastrukturobjekt handelt.

 

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