Brandschutzmassnahmen bei Neubauten
Der Bereich Brandschutz im Bauwesen erstreckt sich bei einem Neubau über nahezu alle Fachdisziplinen. Dementsprechend sind die Schnittstellen sehr vielfältig. So müssen neben den Bedürfnissen des Architekten, auch die des Landschaftsarchitekten (Stichwort Feuerwehrzufahrt und Aufstellflächen) wie jene des Lüftungsplaners, des Elektroplaners und des Sanitärplaners berücksichtigt werden, um nur einige zu nennen. Im Mittelpunkt der jeweiligen Schnittstelle steht der Fachplaner Brandschutz, welcher auch gleichzeitig der QS-Verantwortliche Brandschutz ist.
In diesem Artikel möchten wir Ihnen die Sichtweisen des QS-Verantwortlichen Brandschutz aufzeigen und darstellen, worauf es ankommt, wenn es darum geht, bereits ab der Planungsphase bis hin zur Inbetriebnahme eines Gebäudes möglichen Baumängeln (= Sicherheitsmängel) entgegenzuwirken.
Das Brandschutzkonzept – doch eher von konzeptioneller Natur
Im Brandschutzkonzept (Bericht) wie auch in den Brandschutzplänen eines Neubauprojektes werden die erforderlichen Angaben beschrieben und dargestellt. Diese Angaben sind stets von konzeptioneller Natur und dienen den verschiedenen Fachplanern als Grundlage für deren Planungsleistungen.
So kann der Elektroplaner z. B. erkennen, in welchen Bereichen es eine Sicherheitsbeleuchtung benötigt, welche Leistungskriterien diese erfüllen muss und wo die Notausgänge sich befinden. Die detaillierte Planung dieser Anlagen und Systeme liegt jedoch stets in seinem Verantwortungsbereich. Der QS‑Verantwortliche Brandschutz kann hier lediglich unterstützen. Wird jedoch Hand in Hand gearbeitet, ist schon ein wertvoller Beitrag zur Mängelprävention in der Planungsphase geleistet worden. Dies stellt stellvertretend ein Beispiel dar und kann auf die weiteren Fachgewerke sinngemäss übertragen werden.
Qualitätssicherung in der Planung und auf der Baustelle (QS Brandschutz)

Bildquelle: Rapp AG
Nachdem ein bewilligtes Brandschutzkonzept vorliegt, folgt je nach Qualitätssicherungsstufe (QSS 1 bis 4) eine der Stufe entsprechend vertiefte Qualitätssicherung in den einzelnen Projektphasen. Für eine nachhaltige Qualität der eingesetzten Brandschutzbauteile unterstützt der QS-Verantwortliche Brandschutz die jeweiligen Fachplaner in ihrer Arbeit, indem er deren Planung auf Plausibilität mit dem genehmigten Brandschutzkonzept und den rechtlichen Vorgaben (VKF-Brandschutzrichtlinien, Fachnormen, kantonale Vorgaben, etc.) prüft.
Daher gilt es unter anderem im Interesse eines möglichst reibungslosen Bauablaufs der Brandschutzmassnahmen einen Beitrag zur Mängelprävention zu leisten. Einmal aufgetreten sind Mängel auf der Baustelle nur mit erheblichem Aufwand wieder korrigierbar, in Einzelfällen kann sogar ein teilweiser oder vollständiger Rückbau erforderlich sein. Der QS-Verantwortliche Brandschutz ist somit die erste Ansprechperson für die Fachplaner, Fachunternehmer und nicht zuletzt für den Bauherren.
Somit ist einer von Beginn an korrekten Planung und Umsetzung des genehmigten Brandschutzkonzeptes grosse Wichtigkeit zuzuweisen. Dieses Ziel soll mit der Qualitätssicherung Brandschutz in den Projektphasen «Ausschreibungen», «Ausführungsplanung», «Ausführung / Bau» und «Inbetriebnahme» erreicht werden. Eine wichtige Hilfestellung stellt hierbei die Brandschutzrichtlinie «Qualitätssicherung im Brandschutz / 11-15)» der Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen (VKF) dar. Darin sind die Aufgaben und Verantwortlichkeiten aller Beteiligten geregelt.
Ein Einblick in die Praxis
Geht es nach einer intensiven Planungsphase nun endlich in die Realisierung, endet die Qualitätssicherung Brandschutz nicht, sondern konzentriert sich auf eine korrekte fachliche Umsetzung der geplanten Brandschutzmassnahmen. So müssen die Unternehmer zeigen und sicherstellen, dass sie im korrekten Einbau und der Montage von Brandschutzbauteilen, wie z. B. Leichtbauwänden mit Feuerwiderstand, Brandschutztüren, Brandschutzklappen von Lüftungssystemen, etc. geschult sind. Je nach Projekt und der Qualitätssicherungsstufe (QSS 1–4) wird dabei der konforme Einbau jener Bauteile entweder stichprobenartig oder detailliert geprüft. Dabei macht es Sinn, dass gerade bei mehrfach wiederkehrenden Bauteilen eine sogenannte 0-Serie erstellt wird. Hier wird das erste Bauteil von allen Beteiligten auf einen konformen Einbau hin beurteilt. Nachdem der konforme Einbau bestätigt und dokumentiert ist, sind alle weiteren Bauteile nach derselben Qualität zu erstellen. So kann sichergestellt werden, dass ein Fehler sich nicht über mehrere Bauteile, oder im schlimmsten Fall über alle, hindurchzieht.

Bildquelle: Rapp AG
Die QS-Person Brandschutz führt zudem je nach Baufortschritt regelmässige Begehungen durch, um die konforme Ausführung der Brandschutzmassnahmen in allen, den Brandschutz betreffenden Bereichen zu prüfen. Hierbei werden sowohl die korrekte Ausführung dokumentiert als auch Mängel erfasst. Dies erfolgt in der Regel mit einem softwarebasierten System, sodass die Bauleitung stets einen Überblick über noch offene Mängel und Pendenzen hat. Bei besonders komplexen Projekten, bei welchen zum Beispiel in der Planung Sonderlösungen abgestimmt wurden, kann es durchaus Sinn machen, in diese Begehungen auch die Brandschutzbehörde zu integrieren.
Ein Aspekt, der gerne vernachlässigt wird, ist der Brandschutz auf der Baustelle. Hierfür erstellt der QS Brandschutz ein massgeschneidertes Brandschutzkonzept für die Bauzeit. Darin sind z. B. die Fluchtwege, welche sich je nach Etappe laufend ändern können, beschrieben. Ebenso enthält es Angaben zu präventiven Massnahmen, um der Brandentstehung während der Arbeiten entgegenzuwirken. Es obliegt im Eigeninteresse der Unternehmer, die Brandschutzmassnahmen während der Arbeiten vor Ort zu kennen und diese umzusetzen. Die Praxis zeigt leider immer wieder, dass es auf Baustellen zu verheerenden Bränden und leider auch zu Todesfällen kommen kann.
Das Wichtigste auf einen Blick
Die Brandschutzmassnahmen bei einem Neubau können je nach Bauvorhaben und Nutzung sehr vielfältig und komplex ausfallen. Die korrekte Planung aller Fachgewerke setzt ein hohes Mass an normativem wie auch an produktspezifischem Wissen voraus. Der QS-Verantwortliche Brandschutz stellt zur Qualitätssicherung das Bindeglied zu den betreffenden Fachgewerken dar.
Das dadurch mögliche proaktive Steuern und Koordinieren der Schnittstellen im Bereich der brandschutztechnisch relevanten Gewerke sowie die nötige fachliche Unterstützung des Planungs- und Ausführungsteams leistet einen wichtigen Beitrag zur Mängelprävention. Je enger die Zusammenarbeit mit den Beteiligten erfolgt, desto reibungsloser können die Baumassnahmen stattfinden. Eine Zusammenarbeit, die Hand in Hand läuft, spart Zeit und Geld und nicht selten auch Nerven. Der QS-Verantwortliche Brandschutz sollte stets als Ansprechperson bei Unklarheiten zur Verfügung stehen und idealerweise beim Bauherren als Bauherrenberater angesiedelt sein.
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