"Vor 30 Jahren war die grösste Konkurrenz der Software noch die Speicherschreibmaschine"

30.04.19, 09:10

Wir haben uns die Zeit genommen, um mit Joachim Sorba, unserem Geschäftsführer im Bereich Vertrieb und Mitgründer der SORBA EDV AG, ein wenig über die Anfangszeit des Unternehmens und die Entwicklungen der Branche zu sprechen. Das Interview wurde mit dem Hintergrund unseres 30-jährigen Bestehens durchgeführt. Damals waren wir noch das erste Unternehmen auf dem Schweizer Markt, das eine Software für die Baubranche anbot. Mittlerweile wurde das Angebot laufend erweitert und wir sind auch heute noch führend in diesem Bereich - und das seit 30 Jahren! Das vollständige Interview wurde vom Magazin Leader verfasst und in der Ausgabe 5/2019 publiziert.

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Bild: Logo zum 30-jährigen Jubiläum

Die SORBA EDV AG hat vor 30 Jahren damit begonnen, dass ein PC in den produktiven Betrieb eines Tiefbau-Unternehmens eingeführt wurde. Das war damals pionierhaft. War das quasi der erste zarte Anfang der Digitalisierung?
Das Umfeld damals war ein ganz anderes als heute: Vor 30 Jahren war die grösste Konkurrenz der Software noch die Speicherschreibmaschine. Heute kennen das die meisten wahrscheinlich nicht mehr. Die ganze Fleissarbeit – von der Offerte bis zur Kalkulation – wurde alles von Hand beziehungsweise mit der Schreibmaschine gemacht. Daher war die Frage früher nicht «Welche Software lege ich mir zu?», sondern «Kaufe ich einen PC oder eine Speicherschreibmaschine?» Es wurden teilweise auch Personen eingestellt, die nur dafür zuständig waren, die Devis manuell auszufüllen.

Und ausgerechnet in der Baubranche entschied man sich damals für den PC?
Die Bauunternehmer waren schon immer technisch interessiert, und viele hatten privat bereits einen PC. Es hat lediglich eine Softwarelösung gebraucht, die den Weg des Computers in die Büros ebnen musste. Hier kam die SORBA-Software zur richtigen Zeit und bot eine Lösung, die den Büroalltag effizienter gestalten konnte und Routinearbeiten übernahm. Das allererste Programm, das wir anboten, war das Devisquick. Damit konnten Devis und Abrechnungen ganz einfach zusammengestellt werden.

Neuerungen brauchen oft Überzeugungsarbeit. Abgesehen vom erwähnten PC hatte die Baubranche vermutlich nicht viel Nähe zum Thema Digital. Wie ist es damals gelungen, die Verantwortlichen zu überzeugen?
Wie gesagt gab es einige Technikaffine in der Branche. Diese haben das Potenzial der Effizienzsteigerung direkt erkannt. Dennoch waren viele Bauunternehmen sehr fixiert auf Kalkulationen, da das mit einem Computer assoziiert wurde. Dass auch die administrative Arbeit von einer Software unterstützt werden kann, war vielen nicht klar. Dazu kommt, dass die Prioritäten eines Bauunternehmens auf der Arbeit draussen liegen. Dementsprechend wurde oft lieber in Maschinen investiert als in Büromaterial. Aber die Idee einer Bausoftware hat sich schnell durchgesetzt und mit Mund-zu-Mund-Propaganda verbreitet.

Nach vielen einzelnen digitalen Bauteilen hat SORBA danach eine Gesamtlösung für die Branche ausgearbeitet. Was gab den Anstoss?
Zunächst waren wir spezialisiert auf den rein administrativen Bereich, hatten aber Schnittstellen mit anderen Unternehmen für die Buchhaltung. Diese Zusammenarbeit lief sehr gut. Jedoch waren die Kosten für die Software aufgrund der zwei Ansprechpartner höher. Da stiessen viele Kunden an ihre Grenzen. Nebst dem finanziellen Aspekt kam der Kundenwunsch auf, ein einziges Unternehmen als Ansprechperson zu haben. Auch für uns gestaltete sich die Arbeit mit Schnittstellen aufwendiger, und wir waren in den Möglichkeiten begrenzt. Hat man alles unter einem Dach und arbeitet mit derselben Datenbasis, können immer wieder neue Ideen umgesetzt und Änderungen vorgenommen werden. So kamen mit der Zeit neue Module wie der Werkhof und das GPS dazu. Irgendwann sind alle Ideen ineinander verschmolzen, und die Gesamtlösung war geboren.

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"Hat man alles unter einem Dach, können immer wieder neue Ideen umgesetzt werden"


Bild: Joachim Sorba

Wie sehen die Vorteile für die Baubranche durch die Digitalisierung aus, was konnte im Lauf der Zeit besser oder schneller erledigt werden?
Bauunternehmen stehen unter starkem Kosten- und Effizienzdruck. Damit eine Verbesserung erzielt werden kann, muss die Effizienz irgendwie gemessen werden können. Diese Messung ist sehr aufwendig, daher wird im Zuge der Digitalisierung auch vermehrt nach Instrumenten gesucht, die Schwachstellen erkennen können. Wir haben daher einen weiteren Schritt in Richtung Effizienzsteigerung gemacht und sind mit HGC eine Partnerschaft eingegangen, die Bestellungen und direkten Preisanfragen innerhalb der Software möglich macht. Solche Kooperationen werden in der Zukunft immer wichtiger.

Ich gehe davon aus, dass es noch andere Lösungen für das Baugewerbe gibt, gerade auch aus dem Ausland. Wie ist es gelungen, aus der Ostschweiz heraus in diesem Bereich führend zu bleiben?
Informatiklösungen beinhalten nicht nur eine Software, sondern vor allem auch Beratung und Unterstützung. Schliesslich ist ein solches Programm recht komplex und kann nicht einfach irgendwo heruntergeladen werden. Das Anbieten einer Software ist ein lokales Geschäft. Daher sind unsere Aussendienstmitarbeiter in der ganzen Schweiz unterwegs und helfen unseren Kunden vor Ort. Ziel ist es, möglichst nah beim Kunden zu sein. Dazu kommt, dass der Schweizer Markt auch Speziallösungen für die Schweiz nachfragt. Ausländische Anbieter sind zum Teil nicht bereit, auf die speziellen Bedürfnisse eines kleinen Marktes einzugehen oder den persönlichen Kontakt in dem Ausmass zu pflegen, wie wir es tun. Auch werden vermehrt Serviceleistungen nachgefragt. Wir bieten daher ein Rundum-Paket für die Buchhaltung an und entlasten so unsere Kunden von ihrer aufwendigen Buchhaltungsaufgaben.

Der PC ist längst Alltag, nun kommen neue digitale Herausforderungen auf uns zu. Wie sehen diese in der Baubranche aus?
Wir setzen uns mit Trends und Wünschen laufend auseinander und integrieren alles, was wir für sinnvoll erachten. So haben wir etwa die Rapportierung automatisiert, GPS-Ortung eingebaut, sind Partnerschaften eingegangen und haben mobile Geräte in die Bedienung eingebunden. Wir spüren eine sehr starke Nachfrage nach Digitalisierung im Bau. Heute geht es nicht mehr darum, gegen Schreibmaschinen anzukämpfen, sondern innovativer und agiler als die Konkurrenz zu sein.

Wir danken Joachim Sorba für das spannende Interview und freuen uns auf weitere erfolgreiche Jahre. In der kommenden Monaten können Sie sich auf spannende Beiträge freuen, in denen wir auf die letzten 30 Jahre zurückblicken, Highlights markieren und innovative Neuerungen teilen.

Quelle: Magazin Leader, Ausgabe 5/2019

Topics: Digitalisierung

Séverine Gremper

Verfasst von Séverine Gremper

Habe immer etwas Kreatives im Kopf wie zum Beispiel meine Leidenschaft für Kirigami, eine Papier-Schneidekunst aus Japan, die ich für Grusskarten nutze. Wenn ich nicht bastle bin ich meistens mit dem Rennvelo unterwegs.

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